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MITTWOCH 10.04.2002

archiv

20:00 UHR

JAZZSEMINAR
JazzClub Hannover
THEMA: "ABENTEUER JAZZ-GESCHICHTE" (I): DIE ENTSTEHUNG DER JAZZ-GESCHICHTSSCHREIBUNG IN DEUTSCHLAND. REFERENT: MARKO PAYSAN Der Anspruch wissenschaftlicher Historiographie auf der einen Seite und die Neigung zur Legende auf der anderen - zwischen diesen beiden Polen bugsieren oft die Chronisten jener einst so umstrittenen wie heute noch geliebten Musik: namens Jazz. Einer der ersten wissenschaftlich ambitionierten deutschen Jazz-Historiker und Discographen war der Berliner Horst H. Lange. Seine Biographie ist für den Beginn der Jazz-Historiographie in Deutschland exemplarisch. Der 1924 geborene Autor verstarb im Februar 2001. Sein Werk und Wirken - Radio-Sendungen seit 1946, zahllose Zeitschriften-Artikel, das Buch "Jazz in Deutschland" (1966) und die umfangreiche "78er Discographie der Jazz und Hot-Dance-Musik" - dürften aber nicht nur für Fans der Schellackplatte und des klassischen Hot- und Swingjazz von eminenter Bedeutung sein. Da nämlich HHL gegenüber allen Moden des Zeitgeistes ein hohes Maß an Unabhängigkeit bewies, blieben seinem Denken und Schreiben heftige Kontroversen sicher: Seine akribischen Forschungen zur These der Prädominanz weißer Musiker bei der Entstehung des Jazz ab 1917 sorgten wohl international für mehr Aufsehen und streitbare Diskussionen, als der vergleichsweise konforme, weil "politisch korrekte" Journalismus seines einstigen Kollegen und späteren Widerparts Joachim Ernst Berendt (1922-2000). Die Person Horst H. Langes wird von Marko Paysan (Jazz-Sammler und Publizist) aus der langjährigen direkten Begegnung mit dem Berliner Autor geschildert. Im Anschluß an den Vortrag soll last, but not at least Horst H. Langes mögliche Bedeutung bei der Etablierung eines "Internationalen Jazz-Museums Hannover" berücksichtigt und diskutiert werden. Eintritt frei